Und am Ende sprudelt das Wasser klar und sauber. Doch der Weg dahin ist oft steinig und voller Hindernisse. So auch bei dem Brunnen in Gayak.

Dank der Unterstützung eines Spenders konnten wir auch in diesem Jahr ein Brunnenprojekt verwirklichen. Nach dem Sichten der vielen Anfragen, haben wir entschieden, dass wir das Projekt in dem Dorf Gayak verwirklichen. Dort haben wir seit 2009 den 18. Brunnen realisiert.

Bis auf wenige Ausnahmen war der Weg bis die Bevölkerung sauberes, klares Wasser schöpfen konnte mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Der Brunnen in Gayak war keine Ausnahme, leider.

Noch vor Ostern wurde der Auftrag erteilt. Doch dann mussten wir uns in Geduld üben, obwohl der Partner, der den Brunnen ausführen sollte, versprochen hatte, die Arbeiten gleich zu beginnen. Sanda, der stellvertretende Vorsitzende von Lumière-Cameroun, stand regelmäßig in Kontakt mit den Mitarbeitern unseres Partners. In den Bergen hatten sie beim Bohren von Brunnen mehrere Fehlversuche und mussten die Bohrung wiederholen. Dann hatte der Kompressor eine Panne. Danach musste ein Ersatzteil beschafft werden, was sich als schwierig herausstellte. Wir haben keine Veranlassung den Aussagen unseres Partners zu misstrauen. Wir haben schon öfter mit ihm gearbeitet und er war sehr zuverlässig. Auch wissen wir aus eigener Erfahrung, dass Wartung und Ersatzteilbeschaffung, vor allem von Spezialgeräten, fast immer mit Schwierigkeiten verbunden sind.

Endlich ging es dann am 17. Mai los. Die beiden LKW mit der überdimensionalen Bohrmaschine und dem riesigen Kompressor rückten an.

Endlich, die Arbeiten beginnen.

 

Die riesige Bohrmaschine

 

Doch die erste Bohrung war nicht erfolgreich. Bei 50 Metern tiefe hat das Team aufgehört, da es keine Anzeichen von Wasser gab. So haben sie an einer  anderen Stelle eine zweite Bohrung gestartet.

Zwei Tage nach Beginn erhalten wir den Anruf, dass das Bohrteam beim zweiten Versuch bei 25 Metern auf Wasser gestoßen ist.

Hurra, wir haben Wasser. Aber ...

 

Wir sind alle froh und danken Gott. Sie bohren dann noch bis auf eine Tiefe von ca. 50 Metern. Eigentlich waren die Bohrarbeiten schon beendet.

Eigentlich. Beim Herausholen des Bohrkopfes verkeilte er sich in einer Tiefe von 22 Metern. Nichts ging mehr. Die Enttäuschung war groß; beim Bohrteam, im Dorf und bei uns. Was tun? Den Bohrkopf, der immerhin einen Wert von 1.500 Euro hat, aufgeben und an einer anderen Stelle bohren?

Im Dorf finden sich einige junge Männer, die sich bereit erklären, per Hand ein Loch bis zum Bohrkopf zu graben. Das Bohrteam ist einverstanden. Da sich das Graben per Hand hinzieht, rückt das Bohrteam ab.

Die jungen Männer kämpfen sich Meter um Meter in die Tiefe. Doch das braucht seine Zeit, zumal sie auch auf Fels stoßen.

Nach zwei Wochen kommt das Bohrteam wieder. Da der Bohrkopf noch nicht befreit ist, bohren sie ca. 3 Meter entfernt ein weiteres Loch. Doch es ist trocken. Niemand versteht das.

Endlich sind die jungen Männer erfolgreich und befreien den Bohrkopf. Und dann ist auch auf einmal in dem dritten Bohrloch Wasser. Alle wundern sich.

 

Der Bohrkopf, der so viele Probleme bereitet hat

 

Das Team entscheidet, das zweite Loch zu nutzen. Dann geht es schnell. Mit dem großen Gerät wird das Loch gereinigt und die Hüllrohre abgelassen. Die Hauptarbeit ist fertig.

Test 1Bei der fertigen Bohrung erkennt man nicht den Aufwand, der dahinter steckt.

In den darauf folgenden Tagen wurde das „Brunnenzimmer“ betoniert und gemauert ...

 

 

... und am 08. Juni wurde die Pumpe installiert. Das war nun wirklich reine Routine.

 

Man braucht viele Hände, um die Handpumpe zu installieren.

 

Das ist die eigentliche Pumpe, die sich in Gayak in einer Tiefe von ca. 40 Metern befindet.

 

Der "Pumpenmotor" ist im Wasser und pumpt es über verzinkte ein-Zoll-Stahlrohre nach oben. In der Mitte der Stahlrohre ist ein Stabstahl aus Edelstahl, der den "Motor" mit dem Pumpenkopf verbindet. Es ist eine einfache und robuste Technik, die in Indien hergestellt wird. Diese Technik hat sich mittlerweile in Afrika durchgesetzt, was die Ersatzteilbeschaffung und Wartung sehr vereinfacht hat.

Jetzt gab es keine Hindernisse mehr und der Brunnen konnte sofort in Betrieb gehen. Er liefert der Bevölkerung klares, sauberes Wasser.

 

In der Zwischenzeit haben viele Frauen und Kinder am neuen Brunnen Wasser gepumpt.

 

Die offizielle Übergabe fand dann am 28. Juni 2018 statt. Es war das erste Mal, dass ich den Brunnen gesehen habe. Er befindet sich mitten in einem Hirsefeld. Ich war positiv überrascht, dass der Weg fein säuberlich durch Steine abgegrenzt wurde. Die Frauen haben angefangen, den Weg mit Schotter zu befestigen, da der lehmige Boden bei Regen fast unpassierbar ist. Alles war sauber und aufgeräumt. Auch hier ist die Regel, dass man das Brunnenzimmer nicht mit Schuhen betritt.

 

Die Frauen haben den Weg zum Brunnen hergerichtet.

 

Die Frauen und das Brunnenkomitee erwarten uns schon.

 

Die offizielle Übergabe an den Vorsitzenden des Brunnenkomitees.

 

Ab jetzt ist das Brunnenkomitee für den Brunnen verantwortlich. Sie haben auch schon angefangen, Geld für die Instandhaltung des Brunnens einzusammeln. So muss jede der 50 Familien umgerechnet 2,25 Euro pro Jahr "Wassergeld" zahlen. 

Ich möchte doch die typisch afrikanische Geschichte mit Euch teilen, die sich um den Brunnen rankte und die man mir bei der Übergabe erzählt hat.

Es hat sich so ergeben oder wie wir sagen, Gott hat es so gefügt, dass der Brunnen in der Nähe einer evangelischen Kirche realisiert wurde. Als die Schwierigkeiten mit dem Brunnenbau begannen, kamen einige Dorfbewohner und gaben den Rat, doch Tiere zu opfern, um den Wasserdämon gnädig zu stimmen, der den Bohrkopf festhielt. Die Kirchenleitung, die auch im Brunnenkomitee vertreten ist, hat sich dem widersetzt. Mit der Zeit wurde der Druck auf das Brunnenkomitee immer größer. Doch die Christen, die die Mehrheit in dem Viertel stellen, haben dem Druck stand gehalten. Sie wollten lieber weite Wege gehen, um Wasser zu holen, als von der Gnade eines Wasserdämon abhängig zu sein. Die gesamte Kirchengemeinde hat gefastet und gebetet. Doch der Druck wurde nochmals höher, als die dritte Bohrung fehlschlug.

Doch als dann der Bohrkopf befreit wurdre und auch das dritte Bohrloch Wasser führte und das alles ohne Tieropfer, lobten alle Gott und die Kritiker verstummten.

So hat der Brunnen in Gayak die Christen in der Gemeinde gestärkt. Er stillt nicht nur den phyischen Durst sondern auch den geistlichen.

Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Evangelium des Johannes, Kapitel 4, Verse 13 und 14

Ich kann mir vorstellen, dass viele aufgeklärte Europäer die Nase rümpfen. Ich hätte das früher auch getan. Doch mittlerweile habe ich viele solcher Geschichten gehört und auch eigene Erfahrungen gemacht, so dass ich weiß, dass solche und ähnliche Begebenheiten hier in Afrika Realität sind. Wer diese Aussage bezweifelt, der soll selbst herkommen und mehrere Jahre in Afrika leben. Ich bin sicher, er wird ähnliche Erfahrungen machen.